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Cake day: July 17th, 2025

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  • Ich hab “Zwiebelchen” von Gianni Rodari gelesen. Ein Kinderbuch, das in den 50ern in Italien geschrieben wurde und in der Sowjetunion sehr bekannt war.

    In dem Buch sind die meisten Charaktere Obst oder Gemüse. Der Protagonist ist eine Zwiebel, dessen Vater (ebenfalls Zwiebel) unverschuldet ins Gefängnis kommt. Er hat nämlich den Zorn des Statthalters Zitrone auf sich gezogen.

    Bei einem Besuch gibt der Vater dem Sohn den Auftrag: “Pack deine Siebensachen, ziehe in die Welt hinaus und studiere die Schurken”. Schurken sind, das lernt man im Laufe des Buches, Angehöre und Unterstützer der Herrscherklasse, die die arbeitenden Leute unterdrücken. Zwiebelchen zieht unerschrocken los und findet viele Freunde.

    Das Buch erzählt von der Kraft der Solidarität und Freundschaft und davon dass es sich lohnt zu kämpfen. Es hat mir sehr gut gefallen. Meine Ausgabe ist von einem DDR-Verlag, aber ich denke nicht, dass Ulbricht, Honecker und Co das Buch gelesen haben.










  • Ich habe “Homo Digitalis” von Ralf Hanselle gelesen und habe das Buch mit gemischten Gefühlen beendet.

    Erster Eindruck: Ein Philosoph schreibt über Rechenzentren. Ok… Sehr sphärisch und nicht so technisch, ist das jetzt interessant oder einfach nur Geschwafel?

    Zweiter Eindruck: Der Teil “der Verlust der Fläche” hat mich berührt. Deswegen will ich hier ein bisschen daraus zitieren. Zunächst geht es darum, dass die Welt der Menschen lange stark davon geprägt war, welchen Radius man mit einem Tagesmarsch erreichen konnte. Später kam die Eisenbahn, noch später Raketen. In den 60ern wurde zudem das Mooresche Gesetz formuliert, nach dem sich die Komplexität integrierter Schaltkreise alle 2 Jahre verdoppelt, und das immer noch Gültigkeit hat.

    “Alles scheint somit getrieben von einem möglichen unumkehrbaren Steigerungszwang. Er ist der eigentliche Motor hinter der modernen Beschleunigungsgesellschaft. Doch die Akzeleration wird an ihr Ende kommen. Vielleicht ist dieses Ende sogar längst erreicht, zumindest in unserer subjektiven Erfahrungswelt. Denn mehr und mehr erleben wir eine paradoxe Wirkung: Wie in der berühmten ‘Wagon Wheel Illusion’, bei der ein Beobachter eines sich in voller Fahrt befindlichen Autorades ab einem bestimmten Punkt feststellt, dass sich das Rad zumindest in seiner verzerrten Wahrnehmung nicht weiter oder schneller vorwärtsbewegt, sondern wie in der Luft stillzustehen scheint, so scheint auch die Beschleunigung von Raum und Zeit an einen Kipppunkt zu gelangen. Denn was wir seit geraumer Zeit erleben, ist keine Beschleunigung mehr, eher schon ein rasender Stillstand. Wie einst Fassbinders Fred Stiller [in ‘Welt am Draht’], überkommt uns zunehmend und unvermittelt der Eindruck, dass wir zwar auf nächtlicher Fahrbahn dahinzurasen scheinen, in Wahrheit aber vor einer sich immer perfekter gebenden Illusionen verharren. Es ist dies der bizarre Schlusspunkt unseres schier unstillbaren Geschwindigkeitsdranges: der stehende Sturmlauf, eine paralysierende Kraft. Noch versuchen wir sie mit allen Mitteln zu leugnen. Doch längst ist sie unübersehbar geworden.”

    Der Vergleich mit der “Wagon Wheel Illusion” hat mich schon gecatcht, weil ich das manchmal auch fühle. Ich hoffe, dieser kurze Auszug gibt das einigermaßen wieder.

    Dritter Eindruck: im Teil “Der dissoziierte Mensch” hat er leider den Boomer raushängen lassen: der Homo Ludens als erwachsener Mensch, der (Computer)spiele spielt, wird einfach total schlecht dargestellt.

    Insgesamt bestätigt mich das Buch darin, dass ein Mensch in einer nur digitalen Welt nicht glücklich sein kann. Ich würde mich aber gerne mit jemandem über das Buch austauschen… Hat es jemand hier gelesen?