Die lokale CDU kopiert im Landtagswahlkampf offen die Kulturkampf- und Fake News-Strategien der AfD. Wie man etwas durch Verdopplung halbieren will, wissen nur die Rechenexperten der Partei. Immerhin: Am Vorwurf der mangelnden Schulbildung scheint schon länger etwas dran zu sein, wenn in nur drei Sätzen des Wahlkampf-Flyers zwei bis fünf Fehler stecken… Was darf Satire?


An Bayerns Schulen wird nicht gegendert, da gibt es ordentlichen Deutschunterricht beim Lehrer Frau Müller.
Frau Herbert Müller! Als Frau wird man in Bayern immer noch mit dem Vornamen des Ehegatten angesprochen, der Gesprächspartner soll doch wissen wem die gute Magd gehört!
Das klingt gerade typisch bäuerlich-konservativ genug um glaubhaft zu sein, aber glauben will ichs nicht…
(Ich nehme an, das ist vorwiegend ländlich der Fall, wenn überhaupt?)
Die Praxis, verheiratete Frauen mit “Frau [Vorname des Ehemanns] [Nachname]” anzureden, wie “Frau Herbert Müller” für Elisabeth Müller, war eine traditionelle bürgerliche Umgangsform im deutschsprachigen Raum, die vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert üblich war. Sie diente der eindeutigen Identifikation der Ehefrau als Gattin eines bestimmten Mannes und wurde in ländlichen oder kleinbürgerlichen Kreisen verwendet, wo Vornamen zur Unterscheidung halfen.
Diese Anrede entstand aus höfischen und ständischen Konventionen der frühen Neuzeit, wo Ehefrauen oft als “Frau [Vorname/Titel des Mannes]” angeredet wurden, um die Zugehörigkeit zu betonen – ähnlich wie bei Adligen (“Frau Gräfin”).
Die Form war bis in die 1950er-1960er Jahre gebräuchlich, verschwand aber mit der Namensreform 1976 und zunehmender Emanzipation weitgehend zugunsten von “Frau [eigener Vorname] [Nachname]”. Heute gilt sie als veraltet und wird selten verwendet.
Wieder was gelernt — vielen Dank!
“Nie” wäre mir da lieber, aber gut, man nimmt was man kriegt
Dochdoch, war meiner urbayerischen Oma sehr wichtig. Es stand nur der Mann am Klingelschild, und Briefe mussten immer an “Familie Peter Müller”* gerichtet sein.
Witzigerweise war sie bei der wirtschaftlichen Führung der Ehe dann aber gnadenlose Feministin. Sie hat durch unzählige Widerstände gefochten, um auch im Grundbuch des gemeinsamen Hauses zu stehen 😂, und das in den 50ern!
* Der echte Name ist der Redaktion bekannt, aber die Quelle möchte halbwegs anonym bleiben
Ich schätze mal, da hat sie differenziert zwischen “zu ihm gehören” (Mann am Klingelschild, Familie) und “ihm gehören” (eigenen Besitz haben). So kann ich mir das noch am ehesten erklären: Stolz auf die Familie, aber ohne sich ihr komplett zu unterwerfen.
Find ich stark, unter dem Blickwinkel.